Für die Glücksspielbranche dürfte das Jahr 2026 von großer Bedeutung sein. In Deutschland steht nicht nur die Einführung einer Novelle auf dem Plan, sondern auch die Evaluierung des bisherigen Glücksspielstaatsvertrags. Endlich werden die Fragen rund um die bestehenden Maßnahmen geklärt, die von Branchen- und Interessenvertretern schon seit Jahren gestellt werden.

Sind die bisherigen Maßnahmen ausreichend? Haben Methoden wie die Nutzung der Spielersperrdatei OASIS einen Mehrwert für die Sicherheit von Spielern? Und wird es ab 2028 neue Regeln geben müssen, um Anbietern die Teilnahme am liberalen Markt zu erleichtern?

2026 als großes Jahr für den deutschen Glücksspielmarkt

Vor dem Europäischen Gerichtshof liegt aktuell eine wichtige Frage. Sie beschäftigt sich damit, ob Anbieter mit Lizenz aus Europa die Dienstleistungsfreiheit für sich in Anspruch nehmen und auf dem deutschen Markt Spiele anbieten dürfen. Es ist in der Branche längst bekannt, dass Casinos auch ohne GGL Lizenz seriösagieren und von Spielern aus Deutschland gern genutzt werden.

Bislang ging man davon aus, dass der EuGH sein Urteil schon 2025 fällen könnte, da die Schlussanträge des Generalanwalts bereits erfolgt sind. Scheinbar verzögert sich die endgültige Entscheidung bis 2026. Der EuGH muss unter anderem urteilen, ob das deutsche Verbot von Online-Glücksspielen vor 2021 mit der Dienstleistungsfreiheit in Deutschland und Europa vereinbar ist. Wenn das Urteil im Sinne der Anbieter lautet, dürfte das eventuell auch Folgen für die jetzige Marktgestaltung haben. Bislang gelten in Deutschland lediglich Anbieter mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder als offiziell erlaubt.

Unabhängig von der Entscheidung steht für 2026 die Evaluierung des bisherigen Glücksspielstaatsvertrags auf dem Programm. Schon 2021 entschloss man sich, bis spätestens Ende 2026 einen Evaluierungsbericht vorzulegen, um dann über den weiteren Verlauf der Glücksspielregelungen in Deutschland zu entscheiden. Offiziell läuft die bisherige Fassung des Glücksspielstaatsvertrags im Jahr 2028 aus und dann müssen Bund und Länder eine Einigung über den weiteren Fortschritt haben. Einige Bundesländer hatten bereits angekündigt, notfalls auch einen Sonderweg zu gehen und im Alleingang für Fortschritte in der Glücksspielbranche zu sorgen.

Was sind die größten Probleme des deutschen Glücksspielmarkts?

Der Glücksspielstaatsvertrag hatte und hat von Anfang an die Aufgabe, Spieler zu schützen und die Gefahren von Spielsucht zu minimieren. Maßnahmen wie die Installation des Spielersperrsystems OASIS dienen dazu, einen bundeseinheitlichen Überblick über alle Spielteilnehmer zu erlangen und dafür zu sorgen, dass Spieler mit Schwierigkeiten vom Spiel ausgeschlossen werden. Bislang gab es wenig Kritik gegen OASIS, da ein solches Sperrsystem in vielen Ländern Europas erfolgreich genutzt wird.

Kritisiert wird hingegen beispielsweise die Besteuerung. Anders als in den meisten anderen Ländern zahlen Betreiber in Deutschland Steuern auf die Einsätze der Spieler. Wirtschaftlich ist das eine große Herausforderung, denn wenn ein Spieler aus seinem Einsatz Gewinn macht, muss der Anbieter trotzdem Steuern zahlen. Zum Vergleich nutzen andere EU-Länder die Bruttoumsatzsteuer und besteuern nur das, was auch tatsächlich an Spielumsätzen erzielt wurde. Im Zuge der Evaluierungen könnte dieses Thema laut werden.

Ein weiteres Problem ist aus Sicht von Spielern und Branchenvertretern die mangelnde Attraktivität des deutschen Angebots. Spielautomaten von hochwertigen und lizenzierten Herstellern sind offiziell erlaubt, allerdings dürfen keine Tischspiele angeboten werden. EU-lizenzierte Casinos bieten genau diese Möglichkeit und erscheinen daher aus Spielersicht besonders attraktiv. Es wird darüber zu sprechen sein, ob die Wegnahme von beliebten Spielen aus Sicht der Betreiber sinnvoll ist oder ob damit die Attraktivität nicht legaler Spieleanbieter unnötig gesteigert wird.

Generell ist Glücksspiel bei Spielern in Deutschland gefragt, was die Einnahmen zweifellos zeigen. Es wird aber auch deutlich, dass gerade der so gefragte Automatenbereich bei Umsätzen schwächelt. Eine wichtige Frage wird diesbezüglich sein, ob die Limitierung der Einsätze eine Rolle spielt. Deutsche Spieler dürfen am Spielautomaten maximal einen Euro setzen und haben keine Funktionen wie Autoplay zur Verfügung. Das wurde schon zu Beginn der Maßnahmeneinführungen kritisiert und könnte auch im Rahmen der Evaluierung noch einmal auf den Tisch kommen.

Schon 2026 wird stärker gegen illegale Anbieter vorgegangen

Die im Rahmen der Evaluierung vorgeschlagenen Änderungen werden frühestens 2028 in Kraft treten. Doch der Glücksspielmarkt ändert schon 2026 in Deutschland sein Gesicht. Im Rahmen der Innenministerkonferenz 2025 wurde der Zweite Glücksspieländerungsstaatsvertrag vorbereitet, der am 8. Juli 2025 bei der EU-Kommission notifiziert wurde und nach Ratifizierung durch alle Landesparlamente im Frühjahr 2026 wirkt. Zentraler Schwerpunkt ist die Ausweitung von Netzsperren auf Access Provider wie die Deutsche Telekom oder Vodafone. Die Anbieter werden ab Mai 2026 verpflichtet, auf Anordnung der GGL DNS-Blockaden zu installieren und den Zugang zu Offshore-Anbietern zu verhindern.

Erstmals bekommt die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder direkte Anweisungsbefugnisse und kann Internetanbieter, aber auch Domain-Registrare in die Verantwortung nehmen.

Unterstützung für die deutsche Glücksspielbehörde

Außerdem soll die GGL administrativ entlastet werden. Der Verwaltungsrat wird künftig nur noch Verträge ab einem Vertragsvolumen von 100.000 Euro und mehr prüfen. Jahresabschlüsse werden vereinfacht und der Zugriff auf die Spielersperrdatei wird präzisiert. Künftig darf der Abgleich mit OASIS nur noch durch betriebs- und domainbezogene Zugangskennungen erfolgen. Die Weitergabe der Kennung durch Dritte wird untersagt und kann empfindlich sanktioniert werden.

Gleichzeitig setzt man auf verstärkte internationale Kooperationen. Die Aufsichtsbehörden werden ausdrücklich in die Position versetzt, mit ausländischen Behörden und der Geldwäscheeinheit FIU zusammenzuarbeiten. Auf diese Weise möchte man grenzüberschreitende illegale Anbieter und Geldwäsche im Glücksspielbereich stärker bekämpfen.

Das Gesamtziel hinter den neuen Maßnahmen ist es, die Ressourcen besser zu bündeln. Bislang scheitern viele Maßnahmen wohl an interner Bürokratie und Vorschriften, die der GGL die „Hände“ binden. Man möchte stattdessen den eigentlichen Vollzug stärker in den Mittelpunkt stellen und der Behörde hierzu die Richtwerkzeuge geben. Der regulierte Markt soll aber ausdrücklich nicht mit zusätzlichen Pflichten belastet werden, sondern eher von klaren Regeln und schneller Umsetzbarkeit profitieren.

2026 ein interessantes Jahr fürs deutsche Glücksspiel

Durch die geplante Evaluierung und neue Maßnahmen wird 2026 tatsächlich ein spannendes Jahr für die deutsche Glücksspielbranche. Es wird Entscheidungen geben und mit Sicherheit auch wieder viel Kritik.

Vor allem aber wird die GGL in der Lage sein, Spieler aktiver zu schützen und dabei nicht mehr an Gesetzen und Vorschriften zu scheitern. Der vollständige Evaluierungsbericht wird vermutlich auch das Anlaufen dieser Maßnahmen begutachten, wobei ein Effekt erst später erwartbar ist.

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