Due Diligence bei Webprojekten
Due Diligence bei Webprojekten ist von entscheidender Bedeutung, um potenzielle Risiken zu identifizieren und Chancen zu erkennen, bevor eine Investition getätigt oder ein Projekt gestartet wird. Eine Due Diligence ist eine gründliche Untersuchung und Bewertung eines Unternehmens, einer Organisation oder eines Projekts, um alle relevanten Informationen zu sammeln und zu analysieren. Sie dient dazu, sicherzustellen, dass alle Aspekte des Projekts, insbesondere die rechtlichen, finanziellen, technischen und operativen, angemessen bewertet werden, um fundierte Entscheidungen treffen zu können.
Im Kontext von Webprojekten bezieht sich die Due Diligence auf die spezifische Prüfung von Webanwendungen, Websites oder anderen digitalen Projekten. Dies kann verschiedene Bereiche umfassen, darunter:
- Technische Due Diligence: Eine Bewertung der technischen Architektur, der Code-Qualität, der Sicherheitsmaßnahmen und der Skalierbarkeit der Webanwendung oder Website.
- Domain Due Diligence: Eine Überprüfung der Domain ob diese noch verwendbar und nachhaltig ist.
- Verkäufer/in Due Diligence: Überprüfe genau die Person, welche das Business an dich verkauft.
- Finanzielle Due Diligence: Eine Analyse der finanziellen Situation des Webprojekts, einschließlich der Einnahmen, Ausgaben, laufenden Verträge und zukünftigen finanziellen Prognosen.
- Betriebliche Due Diligence: Eine Bewertung der betrieblichen Abläufe, des Managements und der Organisation des Projekts, um potenzielle Effizienzsteigerungen oder Risiken zu identifizieren als auch eine Prüfung von Verträgen, Lizenzen, geistigem Eigentum und anderen rechtlichen Aspekten, um mögliche rechtliche Risiken zu identifizieren.
Die Durchführung einer gründlichen Due Diligence hilft Investoren, Unternehmer und Stakeholder dabei, fundierte Entscheidungen zu treffen, potenzielle Risiken zu minimieren und die Erfolgschancen eines Webprojekts zu maximieren.
Technische Due Diligence
Zukünftige technische Risiken zu verstehen, die man durch einen Unternehmenskauf eingeht, ist oft nicht ganz leicht, aber immer wichtig. Schließlich möchtest du am Tag der Schlüsselübergabe nicht vor einem schwarzen Bildschirm sitzen. Und an eine mangelhafte User-Experience bei deinen Besuchern denken wir lieber gar nicht erst.
- Beabsichtigst du zum Beispiel ein Shopify- oder WooCommerce-Unternehmen zu übernehmen, dann solltest du prüfen, ob benutzerdefinierte Plug-ins oder Erweiterungen verwendet wurden. Falls ja, hast du Zugang zu sauberem Code? Kann dieser notfalls schnell und kostengünstig geändert werden? Wenn nicht, wer leistet bei technischen Problemen Support?
- Bei WordPress-Seiten solltest du die verwendeten Plug-ins prüfen und sicherstellen, dass sie vom Verkäufer bezahlt und lizenziert wurden.
- Bei SaaS- und Software-Geschäften gilt es sicherstellen, dass du ein Muster des Quellcodes zur Prüfung erhältst, um die Authentizität zu gewährleisten und dich von der Qualität und den Quelltext-Kommentaren im Falle zukünftig notwendiger Änderungen zu überzeugen.
Domain Due Diligence
Bevor du ein Internet-Business kaufst, solltest du dir zuallererst den Online-Traffic ansehen und den Verkäufer bitten, dir einen direkten Zugang auf entsprechende Datenbanken und Analytics-Accounts (wie z.B. Google Analytics oder Clicky) zu ermöglichen.
Anschließend gilt es dann den Traffic selbst zu bewerten. Hier sind einige Indikatoren, auf die du achten solltest:
- Verweildauer der Besucher:
- Weniger als 3 Sekunden: Möglicherweise Bots
- Weniger als 30 Sekunden: Benutzererfahrung oder Inhalt möglicherweise suboptimal
- Besuchstiefe:
- Hohe Besuchstiefe deutet auf Qualität der Inhalte und Website-Struktur hin
- Demografische Daten der Besucher:
- Großteil der Besucher aus irrelevanten Regionen: Warnsignal
- Traffic-Quelle:
- E-Mail-Links, soziale Medien, bezahlte Anzeigen, Empfehlungen oder organische Suche
- Hohe Konzentration auf eine Traffic-Quelle könnte Anfälligkeit für Änderungen bedeuten
- Linkprofil:
- Anzahl und Qualität der Backlinks in den letzten 6-12 Monaten
- Vergangenheit der Domain:
- Alter der Domain prüfen (Wayback Machine)
- Frühere Nutzung der Domain durch andere Unternehmen oder für andere Zwecke
- Gekaufter Traffic in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung:
- Suche nach Anzeichen für bezahlten oder gesponserten Traffic
- Nutzung eines PBNs (Private Blog Network):
- Fragen, ob PBN-Links aktiv bleiben und welchen Zweck sie verfolgen
Verkäufer/in Due Diligence
Es mag offensichtlich erscheinen, aber die Überprüfung des Eigentümers der Webseite ist genauso wichtig wie die Due Diligence der Seite selbst. An allererster Stelle steht dabei die Frage, ob man es beim Verkäufer auch mit dem Eigentümer zu tun hat.
- Anders als in der Offline-Welt ist es unüblich, dass sich Käufer und Verkäufer während des Verkaufsprozesses persönlich treffen. Daher sollte ein eingehender Background-Check des Anbieters neben dem vermeintlichen Besitz des Online-Geschäfts auch immer dessen berufliche Laufbahn, seinen Ruf sowie gegebenenfalls seine offiziellen Auditierungen umfassen.
- Google weiß diesbezüglich meist viel – insbesondere, wenn der Verkäufer eine Vergangenheit hat, in der es bereits zu Betrugsvorwürfen kam. Außerdem verraten Profile in sozialen Medien (wie Xing, LinkedIn, Facebook oder Twitter) bei genauem Hinsehen oft eine Menge über den Menschen, mit dem man es zu tun hat.
- Ergeben sich dabei Widersprüche oder fehlende Informationen, dann sollte das als Einladung verstanden werden, tiefer zu graben.
Finanzielle Due Diligence
Die Prüfung der Finanzen ist ein essenzieller Aspekt einer Unternehmensbewertung – sowohl was die Due Diligence angeht als auch hinsichtlich des eigentlichen Kaufs. Ohne exakte Kenntnis der finanziellen Lage eines Online-Geschäfts kann eine qualifizierte Investitionsentscheidung gar nicht erst gefällt werden.
Als Erstes sollte man daher angegebene Umsätze mit den Kontoauszügen des Verkäufers abgleichen:
- Affiliate-Abrechnungen: z. B. von Commission Junction, Rakuten oder Amazon
- Werbung: z. B. von Google Ads, Ezoic oder Mediavine
- Abrechnungen von E-Commerce-Plattformen: z.B. von Shopify oder Amazon
- Abrechnungen von Zahlungsdienstleistern: z.B. von PayPal oder Stripe
Käufer sollten außerdem immer eine Live-Bildschirmfreigabe mit dem Verkäufer verlangen, um das Backend der Website, etwaige Affiliate-Partner und mögliche Online-Banking-Portale selbstständig zu überprüfen. Diese zweite Stufe verifiziert nicht nur noch einmal verstärkt die Zahlen, sondern garantiert auch, dass der Verkäufer wirklich der Eigentümer ist.
Achte zudem bei der Gewinn-und-Verlust-Rechnung auch auf kleinste Abweichungen. Sollten Unstimmigkeiten bestehen, muss der Verkäufer sie in vollem Umfang begründen können.
Tipp: Wenn eine Website über das Amazon-Partnerprogramm monetarisiert wird, solltest du darauf achten, ob mehrere Seiten denselben Affiliate-Code verwenden. Ist dies der Fall, könnten Einnahmen absichtlich aufgebläht sein.
Betriebliche Due Diligence
Bevor du ein formelles Angebot abgibst, ist es wichtig, dass du dich fragst, wie lange du brauchen wirst, um das Unternehmen in den Griff zu bekommen. Dabei ein genaues Zeitfenster zu ermitteln, ist keine Kleinigkeit, aber der Verkäufer sollte in der Lage sein, Aufwand und Anspruch der Übergabe realistisch darzustellen und einzuschätzen.
Hast du das Gefühl, dass das Szenario zu optimistisch oder grobschlächtig präsentiert wird, dann solltest du dich damit nicht zufriedengeben. Besitzt du aber einmal all die Information, die du benötigst, dann dürfte einer gut vorbereiteten Übernahme der Geschäfte jedoch nichts im Weg stehen.
Danach noch ganz Wichtig: Überprüfe die Rechtmäßigkeit des Unternehmens: Oder anders gesagt: Ist das Internet-Business oder die zu verkaufende Website illegal?
Hinsichtlich Legalität kann unter anderem auch der Standort des Online-Business eine Rolle spielen und das von dir geplante Wachstum infrage stellen – was wiederum zu einer völlig neuen Bewertung des Online-Geschäfts führen dürfte.
Je größer das Unternehmen, desto mehr rechtliche Due-Diligence-Prüfungen sind hinsichtlich Recht und Gesetz notwendig – bestehende Verträge, zum Beispiel, stellen gerne einen Hort möglicher legaler Risiken dar. Ebenso gehören Markenrechtsverletzungen und Urheberlizenzen zu den klassischen Streitfragen.
Fazit
Beim Kauf eines Internet-Businesses ist eine gründliche Due Diligence unerlässlich, um potenzielle Risiken zu minimieren und sicherzustellen, dass der Kauf eine kluge Investition darstellt. Diese umfasst mehrere wichtige Schritte:
- Bewertung von Traffic & Domain: Die Analyse des Website-Traffics, der Verweildauer, der Besuchstiefe, der demografischen Daten der Besucher, der Traffic-Quellen und des Linkprofils ist entscheidend, um die Qualität des Traffics und der Domain zu bewerten.
- Finanzielle Due Diligence: Die Überprüfung der Umsätze, Abrechnungen und Gewinn-und-Verlust-Rechnungen ist entscheidend, um die finanzielle Gesundheit des Unternehmens zu verstehen und mögliche Unstimmigkeiten aufzudecken.
- Verifizierung der technischen Infrastruktur: Die Überprüfung der technischen Infrastruktur, insbesondere bei Plattformen wie Shopify, WooCommerce oder WordPress, ist wichtig, um potenzielle technische Risiken zu identifizieren und sicherzustellen, dass du Zugang zu sauberem Code und Support hast.
- Überprüfung der Rechtmäßigkeit des Unternehmens: Die Untersuchung der Rechtmäßigkeit des Unternehmens, einschließlich rechtlicher Aspekte wie Verträge, Markenrechtsverletzungen und Urheberlizenzen, ist entscheidend, um rechtliche Risiken zu minimieren.
- Verständnis des Geschäftsmodells: Die Einschätzung des Zeitrahmens und des Aufwands für die Übernahme des Unternehmens ist wichtig, um realistische Erwartungen zu setzen und sicherzustellen, dass du gut vorbereitet bist.
- Überprüfung des Eigentümers der Webseite: Die Überprüfung des Verkäufers, einschließlich seines Hintergrunds, seiner Reputation und seiner beruflichen Laufbahn, ist wichtig, um sicherzustellen, dass du es mit einer vertrauenswürdigen Person zu tun hast.
Durch eine sorgfältige Durchführung dieser Schritte kannst du potenzielle Risiken minimieren und fundierte Entscheidungen treffen, wenn es darum geht, ein Internet-Business zu kaufen.

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