Das Leben findet online statt. Verfügbarkeit rund um die Uhr, ständig schnellere Datenverbindungen und schlauere Algorithmen, die anhand der Browsergeschichte die persönlichen Vorlieben analysieren und danach Einkaufstipps, Artikel, Fotos und Spieleideen in sozialen Medien, aber auch Emails aufzeigen, tragen dazu bei.

Mehr als 46 Stunden pro Woche sind die Deutschen im Durchschnitt im Internet aktiv. Das Handy steht dabei mit 14,6 Stunden an erster Stelle, gefolgt von Laptop, PC und Tablet.

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Das veränderte Freizeitverhalten dank Technologie beeinflusst jede Facette des Alltags. Je mehr E-Commerce fortschreitet, desto weniger „echte“ Läden mit Verkaufspersonal werden benötigt. Dass diese Entwicklung ein zweischneidiges Schwert ist, ist seit langem anerkannt. Doch die Bequemlichkeit, rund um die Uhr und zum Teil zu günstigeren Preisen fast weltweit einkaufen zu können, hat nicht nur für den Konsumenten Vor- und Nachteile. Je nachdem, um was für ein Produkt es sich handelt und wo es hergestellt wird, kann der Online-Handel sogar umweltfreundlicher sein als ein herkömmliches Geschäft. Beleuchtung und Heizung für Laden und Auslagen fallen online weg, genau wie der etwaige Anfahrtsweg. Elektroartikel wie Großbildfernseher und Laptops, die im Einzelhandel als Demostücke dauernd angeschlossen sind, fressen besonders viel Strom.

Allerdings hat die Bequemlichkeit auch eine Kehrseite. Mehr als drei Milliarden Pakete werden in Deutschland inzwischen jährlich dank Online-Shopping versendet. Rund eine Viertel Milliarde davon wird zurückgeschickt. Das bedeutet mehr CO2-Verbrauch und vor allem eine enorme Menge an Verpackungsmaterial. Wo im normalen Handel Bücher, T-Shirts, Schuhe und Parfüm auch ohne zusätzliche Verpackung in Plastik und dicke Pappe auskommen, werden die Artikel mittlerweile in den Warenhäusern der Online-Händler so sicher wie möglich auf den Weg gebracht, selbst wenn der Verpackungsmüll ganze Tonnen füllt.

Rund 17,36 Milliarden Euro wurden im Online-Handel in der Bundesrepublik im zweiten Quartal dieses Jahres umgesetzt. Das sind 1,76 Milliarden mehr als im Vorjahresquartal.

Doch was ist mit dem sozialen Aspekt? Wer im Einzelhandel einkauft, hat es spätestens an der Kasse mit einem Gegenüber aus Fleisch und Blut zu tun. Gute Verkäufer und Fachpersonal bieten nicht nur Beratung, sondern auch ein bisschen menschliches Miteinander, und wenn es nur ein Lächeln und ein kurzes Gespräch übers Wetter sind.

Doch auch die Online-Welt ist nicht zwangsläufig nur von künstlicher Intelligenz und Computeralgorithmen beherrscht. Die Vernetzung weltweit kann auch neue zwischenmenschliche Kontakte schaffen.

Besonders ausgeprägt ist das außerhalb der sozialen Medien in der Gaming-Welt. Massive Multiplayer Online Role-Playing Games (kurz MMMORPGs genannt) erlauben es Massen von Spielern weltweit, sich online an den meist epischen Fantasy-Games in der virtuellen Welt zu beteiligen. Das wohl bekannteste Spiel ist „World of Warcraft“, das seit seiner Erscheinung im November 2004 regelmäßig neue Erweiterungen erfahren hat. Das Ergebnis ist eine epische Geschichte mit mächtigen Helden, angsteinflößenden Feinden und Kämpfen um Ehre, Macht und Überleben. Rund 5,5 Millionen aktive Abonnenten hatte World of Warcraft 2015, vor der jüngsten Erweiterung.

Doch selbst wer nur Online Poker spielt, muss nicht zwangsläufig auf soziale Interaktion verzichten. Live-Pokerspiele sind das Bindeglied zwischen realem Pokertisch und virtuellem Zocken. Die Kartendealer sind echte Menschen und keine Avatare und werden im Live-Stream dazu geschaltet. Die Chat-Funktion beschränkt sich allerdings auf Fragen zum Spiel. Flirtversuche sind hier fehl am Platz.

In unserer Welt, die immer schneller und mobiler wird, ist das Internet für viele Menschen auch die Nabelschnur, die sie mit alten Freunden und Familie verbindet. Wer aus der alten Umgebung wegzieht, kann dank WhatsApp und Messenger den Kontakt halten, Schnappschüsse verschicken oder einfach nur Hallo sagen. Gemeinsame Spieleabende müssen nicht enden, nur weil Entfernung dazwischen kommt. Auch in der virtuellen Welt kann mit alten Freunden gedaddelt werden. Neue Freunde lassen sich ebenfalls so finden, selbst wenn es etwas dauert, bis aus den Chats übers Game eine Unterhaltung über den Tag, Kollegen oder Kochrezepte wird.

Das Internet kann auch schlauer machen. Bei all dem Schaden, den Fake News und Deep Fakes mit Lügen, manipulierten Bildern und Videos anrichten, ist es gleichzeitig eine hervorragende Recherche- und Unterrichtsquelle. Besonders beliebt sind Tutorials, die Schritt für Schritt erklären, wie zum Beispiel Baumkuchen gebacken wird, der Gitarrenriff funktioniert oder eine Drohne selbst gebaut werden kann. In der Schul- und Berufswelt finden künstliche Intelligenz, virtuelle Realität (VR) und augmentierte, also unterstützte, Realität (AR) immer neue Einsatzgebiete.

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In der Medizin helfen Spezialbrillen und Head-Up-Displays, in denen zusätzliche Informationen als Daten oder gescannte Bilder eingeblendet werden, zum Beispiel im OP.

Robotergesteuerte Operationstechniken mit Einmal-OP-Besteck reduzieren Infektionsgefahr und das Risiko von zittrigen Händen. Am häufigsten werden VR und AR aber immer noch in der Freizeit eingesetzt. Beim Fußball hilft die Technik den virtuellen Assistenten der Schiedsrichter dabei, Fouls und Abseitssituationen leichter zu erkennen. Bei den Hits unter den Fußballspielen kommt die Technik auch den Zuschauern zugute, wenn Zusatzinformationen wie virtuelle Linien für Freistöße eingeblendet werden.

Immer mehr Apps und Spiele lassen einen geteilten Bildschirm zu, damit zu zweit auf einem Gerät gespielt werden kann. Wer Filme und Videos lieber auf dem Smartphone oder Tablet als auf dem herkömmlichen Fernsehgerät guckt, nutzt dazu zwar Online-Dienste fürs Streaming und Herunterladen, aber allein muss er deshalb nicht sein. Geguckt werden kann genauso im Familien- oder Freundeskreis wie in der Zeitrechnung vor dem Internet. Und wie zu Zeiten der ersten „Straßenfeger“, in denen Fernsehereignisse oder Fußballweltmeisterschaften in der Mittagspause oder beim Abendessen genauso diskutiert wurden wie in den Medien, finden diese Debatten weiterhin statt. Der Unterschied sind die Art der Medien und der Standort der Teilnehmer. Das Internet kann einsamer machen oder sozialer. Es kommt darauf an, wie es genutzt wird.

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Dieser Artikel wurde von einem Gastautor auf Projektify geschrieben. Wir freuen uns immer über Gastartikel und bedanken uns beim Autor. Solltest du Fragen zum Autor haben, dann schreib uns einfach.

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